|
lt und die Bauernjungen
so laut und kraeftig anfangen zu singen - und mein lieber Herr Prediger
besteigt die Kanzel und predigt so schoen zu Herzen, dann ist es mir so
feierlich, so ganz anders als hier! - ach, und manchmal, wenn die
Sonnenstrahlen durch das bunte Kirchenfenster fallen und so schoene Farben
auf den Fussboden malen, dann ist es so herrlich, so herrlich, wie
nirgendwo auf der ganzen Welt!"
[Illustration]
Hier musste Ilse mitten im Lesen innehalten und eine Pause machen. Der
Gedanke an die Heimat und die Sehnsucht dahin ueberwaeltigten sie dermassen,
dass sie weinen musste. Erst als ihre Thraenen wieder getrocknet waren, las
sie zu Ende.
"Gruesse nur alle, du einziger Herzenspapa, auch die Mama; das Tagebuch, das
sie mir mit eingepackt hat, kann ich nicht gebrauchen, ich habe keine
Zeit, etwas hineinzuschreiben. Aber ich bedanke mich dafuer. Nun leb' wohl,
mein lieber, suesser, furchtbar netter Papa. Ich kuesse Dich
hunderttausendmal. Bitte, gieb auch Bob einen Kuss und gruesse Johann von
Deiner
Dich unbeschreiblich liebenden Tochter
_Ilse_.
_N. S._ Ich will gern Zeichenunterricht nehmen bei dem Herrn Professor
Schneider, ich darf doch? Morgen fange ich an.
_N. S._ Beinah haette ich vergessen, Dir zu schreiben, dass Du mir doch eine
Kiste mit Kuchen und Wurst schickst. Nellie ist immer so hungrig, wenn wir
des Abends im Bette liegen und ich auch.
_N. S._ Lieber Papa, ich kriege immer so viel Schelte, dass ich so
ungeschickt esse, schreibe mir doch, ob das nicht sehr unrecht ist. Der
Mama sage nichts hiervon. Deine Hand drauf! - Fraeulein Guessow habe ich
sehr lieb." -
Gerade sassen Ilses Eltern mit dem Prediger zusammen auf der Veranda am
Kaffeetische, als ihr langer Brief eintraf. Der Oberamtmann las ihn vor
und wurde bei einigen Stellen so geruehrt, dass er kaum weiter zu lesen
vermochte.
"Ich moechte das arme Kind zurueckhaben," sagte er, nachdem er zu Ende
gelesen, "es fuehlt sich ungluecklich, und ich sehe nicht ein, warum wir
unsrer einzigen Tochter das Leben so verbittern sollen. Was meinst du,
Annchen, und Sie, lieber Vollert, waer' es nicht besser?"
Der Prediger durchlas noch einmal den Brief, faltete ihn wieder zusammen
und machte ein hoechst zufriedenes Gesicht.
"Ic
|