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n muessen alles lernen. Sie war ganz erstaunt,
dass ich nicht stricken konnte. Man kauft doch jetzt die Struempfe, das ist
ja viel netter, warum muss ich mich unnuetz quaelen? Es wird mir so schwer,
die Maschen abzustricken, und ich mache es auch sehr schlecht.
Melanie Schwarz, sie ist sehr huebsch, ziert sich aber und stoesst mit der
Zunge an, und dann sagt sie immer zu allem: {~SINGLE RIGHT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~}Furchtbar nett, furchtbar
reizend, oder furchtbar scheusslich{~SINGLE LEFT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~} - sie meinte neulich: {~SINGLE RIGHT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~}Du strickst
aber furchtbar scheusslich, Ilse.{~SINGLE LEFT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~} Du siehst, Pa'chen, ich kann nichts!
In den Arbeitsstunden wird einmal franzoesisch, einmal englisch die
Unterhaltung gefuehrt. Franzoesisch kann ich mich allenfalls verstaendlich
machen, aber englisch geht es sehr schlecht, so schlecht, dass ich mich
schaeme, den Mund aufzuthun. Nellie ist gut, sie hilft mir nach und will
oft mit mir sprechen, wenn wir allein sind.
Du fragst mich, lieber Papa, ob ich schon Freundinnen habe, - ja - Nellie
und noch sechs andre Maedchen sind meine Freundinnen, Nellie aber habe ich
am liebsten. Wie sie alle heissen, will ich Dir das naechstemal schreiben,
auch Dir erzaehlen, wie sie aussehen, heute kann ich mich nicht dabei
aufhalten, sonst nimmt mein Brief kein Ende. Eine Schriftstellerin ist
auch dabei, das muss ich Dir noch mitteilen.
Wenn wir spazieren gehen, naemlich jeden Mittag von zwoelf bis eins und
jeden Nachmittag von fuenf bis sieben, gehe ich fast immer mit Nellie in
einer Reihe. Wir muessen naemlich wie die Soldaten zwei und zwei
nebeneinander marschieren. Eine Lehrerin geht voran, eine hinterher mit
einer kleinen Pensionaerin an der Hand. Nicht rechts, nicht links duerfen
wir gehen, immer in Reih' und Glied bleiben. Ach! und ich habe so oft
Lust, einmal recht toll davonzulaufen, auf die Berge hinauf - immer
weiter! - aber dann wuerde ich nicht wieder in mein Gefaengnis zurueckkehren
- -
In die Kirche gehen wir einen Sonntag um den andern, dort gefaellt es mir
aber gar nicht. Ich sitze zwischen so viel fremden Leuten, und der
Prediger, ein ganz alter Mann, spricht so undeutlich, dass ich Muehe habe,
ihn zu verstehen. In Moosdorf ist es viel, viel huebscher! Da sitzen wir
eben in unsrem Kirchstuhle und wenn ich hinunter sehe, kenne ich alle
Menschen. Und wenn unser Herr Kantor die Orgel spie
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