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s Menschenkind, das mit seinen
sechzehn Jahren die Welt zu erstuermen meinte. Vater und Mutter waren ihm
frueh gestorben und so kam es, dass die kleine Waise zu der Grossmutter
gegeben wurde, die sie erzog und von Grund auf verzog. Lucie, so wollen
wir das Maedchen nennen, hatte nie gelernt zu gehorchen oder sich zu fuegen,
sie erkannte nur einen Willen an, und das war der eigene. Das war sehr
schlimm fuer sie, denn bei manchen guten Eigenschaften des Herzens besass
Lucie einen haesslichen Fehler, den Trotz.
"Anstatt denselben durch unerbittliche Strenge schon in der Kindheit zu
zuegeln, pflegte ihn die Grossmama durch allzugrosse Nachsicht.
"{~SINGLE RIGHT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~}Warum soll ich dem Kinde nicht seinen Willen thun?{~SINGLE LEFT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~} fragte sie, wenn man
sie zuweilen auf ihre Schwaeche aufmerksam machte, {~SINGLE RIGHT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~}ist es nicht schlimm
genug, dass es keine Eltern hat? Ich kann es nun einmal nicht traurig
sehen.{~SINGLE LEFT-POINTING ANGLE QUOTATION MARK~}"
"War Lucie huebsch?" fragte Nellie, die sich hinter Ilses Stuhl gestellt
und den Arm um deren Schulter gelegt hatte.
"Ich glaube wohl," entgegnete die Angeredete und erroetete leicht,
"wenigstens hat man es dem erwachsenen Maedchen oftmals gesagt. Doch das
ist Nebensache - hoert mich weiter an.
"Die Grossmutter besass ein herrliches Landhaus, dessen Park sich an einen
bewaldeten Bergesabhang lehnte. Man durfte nur eine kleine Pforte, die
sich am Ausgange des Grundstueckes befand, durchschreiten und befand sich
im schoensten Walde, den ihr euch denken koennt.
"Selten kamen Spaziergaenger aus dem nahen Staedtchen dorthin, desto oefter
benutzte Lucie die kleine Ausgangspforte, durchstreifte den Wald bis an
die Spitze des Berges, oder was sie noch haeufiger that, sie lagerte sich
an irgend einem versteckten Platze. So im weichen, schwellenden Moose zu
liegen, ein gutes Buch zu lesen und darueber die Welt zu vergessen, - das
war die hoechste Wonne ihres Lebens.
"Eines Tages hatte sie wieder ihren Lieblingsplatz am Fusse einer Eiche
aufgesucht. Die Luft war heiss und schwuel und doppelt wohlthuend empfand
sie die Waldeskuehle. Sie streckte die schlaffen Glieder im Moose aus und
blickte hinauf in das gruene Blaetterdach. Nicht lange, dann oeffnete sie das
mitgebrachte Buch und las. So vertieft war sie bald in den Inhalt
desselben, dass sie der Gegenwart ganz entrueckt war. -
"Ei
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