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rius gleichgestellt, versteht vom Krieg sowenig, wie Belisar von den
Purpurschnecken, und soll Statthalter von Italien werden."
"So," sprach Cethegus.
"Er wollte beim Lagerschlagen sein Zelt durchaus zur Rechten Belisars
haben. Wir gaben nicht nach. Zum Glueck hat Gott in seiner Allweisheit
jenen Huegel zur Loesung unsres Rangstreits schon vor Jahrtausenden hier
aufgeworfen: nun lagert der Prinz zwar links, aber hoeher als Belisarius."
- "Und wessen sind die bunten Zelte dort, hinter Belisars Quartier? Wer
wohnt darin?" - "Dort," seufzte Prokop, "ein sehr unglueckliches Weib:
Antonina, Belisars Gemahlin." - "Sie ungluecklich? die Gefeierte, die
zweite Kaiserin? warum?" - "Davon ist nicht gut reden in offner
Lagergasse. Komm mit ins Zelt, der Wein wird genug gekuehlt sein."
Elftes Kapitel.
Im Zelte fanden sie die zierlichen Polster des Feldbetts um einen niedern
Bronzetisch von durchbrochner Arbeit gelegt, den Cethegus lobte.
"Das ist ein afrikanisches Beutestueck aus dem Vandalenkrieg: ich nahm es
aus Karthago mit. Und diese weichen Kissen lagen einst auf dem Bett des
Perserkoenigs: ich erbeutete sie in der Schlacht von Dara."
"Du bist mir ein praktischer Gelehrter!" laechelte Cethegus. "Wie bist du
so anders geworden seit den Tagen von Athen."
"Das will ich hoffen!" sprach Prokop und zerschnitt selbst - er hatte die
aufwartenden Sklaven entfernt - die dampfende Hirschkeule vor ihm. "Du
musst wissen: ich wollte Philosophie zu meinem Beruf machen, Weltweiser
werden. Drei Jahre hoerte ich die Platoniker, die Stoiker, die Akademiker
zu Athen, - und studirte mich krank und dumm. Auch blieb es nicht bei der
Philosophie. Nach loeblicher Sitte unsres frommen Jahrhunderts musste auch
die Theologie beigezogen werden: und ein weiteres Jahr hatte ich darueber
nachzudenken, ob Christus, als Gott Vater, zugleich seiner eignen
jungfraeulichen Mutter Vater, also sein eigner Grossvater sei. Nun, ueber
all' diesen Studien drohte mir mein von Natur gar nicht zu verachtender
Verstand abhanden zu kommen.
Zum Glueck ward ich sterbenskrank und die Aerzte verboten mir Athen und alle
Buecher. Sie schickten mich nach Kleinasien. Ich rettete nur einen
Thukydides in meinen Reiseranzen. Und dieser Thukydides rettete mich.
Ich las und las in der Langeweile der Reise seine herrliche Geschichte von
der Hellenen Thaten in Krieg und Frieden: und nun bemerkte ich mit
Staunen, dass der Menschen Thun u
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