|
vor dem Kreuz der Kirche zu beugen haben, die Stadt Rom mit
ihrem Weichbild und die benachbarten Staedte und Marken durch eine
feierliche Schenkungsurkunde fuer ewige Zeiten dem heiligen Petrus zu eigen
uebertragen, mit Gericht und Verwaltung, Steuer und Zoll und allen
Kronrechten irdischer Herrschaft, auf dass die Kirche auch einen weltlichen
Boden habe zur leichteren Vollfuehrung ihrer weltlichen Aufgaben. Diese
Schenkung ist durch eine rechtsgueltige Urkunde in aller Form verbrieft:
der Fluch von Gehenna ist jedem gedroht, der sie anstreitet. Und ich
frage, im Namen des dreieinigen Gottes, den Kaiser Justinian, ob er diese
Rechtshandlung seines Vorgaengers, des in Gott seligen Kaisers
Constantinus, anerkennen oder ob er sie, aus weltlicher Habgier, umstossen
und damit den Fluch der Gehenna und die ewige Verdammnis auf sein Haupt
laden will?"
Diese Rede des Bischofs von Rom, mit aller Kraft geistlicher Wuerde und
aller Kunst weltlicher Rhetorik vorgetragen, war von unwiderstehlicher
Wirkung. Belisar, Prokop und die Feldherren, die eben noch ueber den
verraeterischen Priester ein zorniges Gericht hatten halten wollen, fuehlten
sich jetzt durch den ploetzlich ihnen entgegengehaltenen Rechtstitel selbst
wie verurteilt.
Der Kern Italiens schien unwiederbringlich dem Kaiser verloren und der
Herrschaft der Kirche anheimgegeben. Ein banges Schweigen lagerte ueber den
juengst noch so herrischen Byzantinern und triumphierend stand der Priester
als Sieger in ihrer Mitte. Endlich sprach Belisar, der die Aufgabe der
Bekaempfung oder die Schmach der Niederlage von sich abwaelzen wollte:
"Praefekt von Rom, was hast du zu erwidern?"
Mit einem kaum bemerkbaren Zucken des Spottes um die feinen Lippen
verneigte sich Cethegus und begann: "Der Angeklagte beruft sich auf eine
Urkunde.
Ich koennte, glaub' ich, ihn in grosse Verlegenheit versetzen, wenn ich ihr
Vorhandensein bestritte, und die sofortige Vorlage der Urschrift von ihm
verlangte. Indessen will ich dem Manne, der sich das Haupt der
Christenheit nennt, nicht wie ein gehaessiger Anwalt begegnen. Ich raeume
ein, die Urkunde existiert."
Belisar machte eine Bewegung hilflosen Verdrusses.
"Mehr noch! Ich habe dem heiligen Vater die Muehe der Vorlage derselben,
die ihm sonst sehr schwer fallen duerfte, erspart und die Urkunde selbst
mitgebracht in meiner tempelschaenderischen Hand." Er zog ein vergilbtes
Pergament aus dem Sinus und sah laechelnd bald in dessen Zeilen, bald
|