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mich schickte
sie Tags darauf voraus, nach dir zu suchen. Sie folgte mir bald darauf,
sowie sie die kleine Leiche verbrannt. Und da ich einen Tag verloren,
durch die Empoerer vom naechsten Wege abgesperrt, so kann sie stuendlich da
sein."
"Mein Kind, mein Kind, mein armes Weib! Das ist der erste Ertrag, den mir
diese Krone bringt. Und nun," rief er mit aller Heftigkeit des Schmerzes
den Alten an, "willst du noch das Grausame fordern, das Untragbare?"
Hildebrand stand langsam auf: "Nichts ist untragbar, was notwendig ist.
Auch der Winter ist tragbar. Und das Alter. Und der Tod. Sie kommen ohne
zu fragen, wollt ihr's tragen? Sie kommen. Und wir tragen's. Weil wir
muessen. Aber ich hoere Frauenstimmen und rauschende Gewande. Gehen wir."
Witichis wandte sich von ihm zur Thuer.
Da stand, unter dem Zeltvorhang, in grauem Gewand und schwarzem Schleier
Rauthgundis sein Weib, eine kleine schwarze Marmorurne an die Brust
drueckend.
Ein Ruf liebereichen Schmerzes und schmerzreicher Liebe: - - und die
Gatten hielten sich umfangen.
Schweigend verliessen die Maenner das Zelt.
Sechzehntes Kapitel.
Draussen hielt Teja den Alten leise am Mantel zurueck: "Du quaelst den Koenig
umsonst," sagte er. "Er wird nie darein willigen. Er kann's auch nicht.
Jetzt am wenigsten."
"Woher weisst du ...? -" unterbrach der Greis. - "Still: ich ahn' es: wie
ich alles Unglueck ahne." - "Dann wirst du auch einsehen, dass er muss." -
"Er, - er wird's nie thun." - "Aber - du meinst sie selbst?" -
"Vielleicht!" - "Sie wird," sagte Hildebrand.
"Ja, sie ist ein Wunder von einem Weib," schloss Teja.
Waehrend in den naechsten Tagen das jetzt kinderlose Paar seinem stillen
Schmerze lebte und Witichis kaum sein Zelt verliess, geschah es, dass die
Vorposten der koeniglichen Belagerer und die Aussenwachen der gotischen
Besatzung von Ravenna, den eingetreten thatsaechlichen Waffenstillstand
benutzend, in mannigfachen Verkehr traten.
Sie warfen sich, scheltend und zankend, gegenseitig die Schuld an diesem
Buergerkriege vor.
Die Belagerer klagten, dass die Besatzung in der hoechsten Not des Reiches
dem gewaehlten Koenig der Goten seine Koenigsburg verschlossen. Die
Ravennaten schmaehten auf Witichis, der der Tochter der Amaler nicht goenne,
was ihr gebuehre.
Einer solchen Unterredung hoerte unbemerkt der alte Graf Grippa von Ravenna
selber zu, der die Runde auf den Waellen machte. Ploetzlich trat er vor
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