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ssichtlich vereinigen musste.
Unter den von Iwan Ogareff nach dem tartarischen Lager geschleppten
Gefangenen befand sich auch eine bejahrte Frau, deren Schweigsamkeit sie
von allen Uebrigen, welche ihr Loos theilten, auffallend unterschied. Kein
Klagelaut kam ueber ihre Lippen. Man haette sie eine Bildsaeule des Schmerzes
nennen koennen. Diese fast stets unbewegliche, ruhige und aufmerksamer als
die Andern bewachte Frau wurde, ohne dass sie es ahnte oder sich darum zu
kuemmern schien, stets von Sangarre beobachtet. Trotz ihres Alters hatte
auch sie dem Gefangenentransporte zu Fusse folgen muessen, ohne dass Jemand
versucht haette, ihr irgend eine Erleichterung zu gewaehren.
Dagegen sendete die weise Vorsehung ein muthiges, liebenswuerdiges anderes
Wesen an ihre Seite, das ganz dazu geschaffen schien, ihr Beistand zu
leisten. Unter ihren Ungluecksgefaehrten befand sich ein junges, durch seine
Schoenheit und Kaltbluetigkeit ausgezeichnetes Maedchen, das es sich zur
Aufgabe machte, ueber sie zu wachen. Noch war zwischen den beiden
Gefangenen kaum ein Wort gewechselt worden, und doch war das junge Maedchen
stets zur Hand, wenn es der alten Frau nur den geringsten Dienst leisten
konnte. Letztere hatte von Anfang an die stumme Sorgfalt der Unbekannten
nicht ohne einiges Misstrauen gesehen. Nach und nach besiegte aber der
gerade, offene Blick des Maedchens, ihre Zurueckhaltung und die
geheimnissvolle Sympathie, welche die Gemeinsamkeit des Schmerzes zwischen
zwei gleichmaessig Ungluecklichen so leicht hervorruft, die stolze, halb
abweisende Kaelte Marfa Strogoff's. Nadia, - denn sie war es, - hatte auf
diese Weise unbewusst der Mutter einen Theil der Wohlthaten zurueckzahlen
koennen, die sie dem Sohne schuldete. Ihr von Natur gutes Herz hatte sie
hier doppelt gut geleitet. Dadurch, dass sie Jener gern diente, erwarb sich
Nadia fuer ihre Jugend und Schoenheit den Schutz der aelteren Gefangenen.
Mitten in dieser Menge elender, durch ihre Leiden gereizter Leute wussten
sich diese beiden schweigsamen weiblichen Wesen, deren Eine die
Grossmutter, die Andere die Enkelin zu sein schien, doch immer eine Art
Hochachtung zu sichern.
Nadia war, nachdem sie die tartarischen Plaenkler in die Barken auf dem
Irtysch geschleppt hatten, nach Omsk gebracht worden. In der Stadt
gefangen gehalten, theilte sie das Loos aller derjenigen, welche die
Truppen Iwan Ogareff's bis dahin eingebracht hatten, und folglich auch das
Marfa Strogoff's.
Ohn
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