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in jedem andern Falle gethan
haette, gegen die ihm angethane Schmach vertheidigte, so musste er doch der
Gegenstand erhoehter Aufmerksamkeit werden, - was der Erreichung seiner
Ziele gewiss nicht foerderlich sein konnte.
Hierin lag die bedenklichere Seite der Anwesenheit Iwan Ogareff's. Dagegen
durfte es als eine glueckliche Folge seiner Ankunft betrachtet werden, dass
noch an demselben Tage der Befehl zur Aufhebung des Lagers und zur
Verlegung des Quartiers nach Tomsk erging.
Michael Strogoff's lebhafter Wunsch ging hiermit in Erfuellung. Seine
Absicht war es, wie bekannt, Tomsk inmitten der uebrigen Gefangenen zu
erreichen, d. h. ohne dabei Gefahr zu laufen, Plaenklern in die Haende zu
fallen, welche die Umgegend jener wichtigen Stadt in grosser Anzahl
umschwaermten. In Folge der Ankunft Iwan Ogareff's aber und der Furcht, von
diesem erkannt zu werden, entstand ihm doch die Frage, ob er nicht lieber
auf den ersteren Vortheil verzichten und unterwegs zu entfliehen versuchen
solle.
Michael Strogoff haette sich wahrscheinlich noch fuer das letztere
entschieden, als ihm zu Ohren kam, dass Feofar-Khan und Iwan Ogareff an der
Spitze mehrerer tausend Reiter schon nach jener Stadt abgegangen seien.
"Ich werde es also abwarten, sagte er sich, wenn sich nicht eine ganz
ausnahmsweise guenstige Gelegenheit zur Flucht darbietet. Diesseit Tomsk
ueberwiegen ja die schlechten Chancen, jenseit desselben nehmen die guten
immer zu, da ich dort binnen wenig Stunden ueber die am meisten nach Osten
vorgeschobenen Posten der Tartaren hinausgelangen kann. Noch drei Tage
Geduld und dann stehe Gott mir bei!"
In der That brauchte es nur einer Reise von drei Tagen, welche die
Gefangenen unter strenger Aufsicht einer starken Abtheilung Tartaren durch
die Steppe zurueckzulegen hatten. Zwischen dem Lager und der Stadt lag eine
Entfernung von einhundertfuenfzig Werst. Den Soldaten des Emirs, die an
nichts Mangel litten, ward dieser Weg zwar leicht genug, desto schwerer
aber den ungluecklichen, durch Entbehrungen aller Art geschwaechten
Gefangenen. Mehr als eine Leiche sollte ihren Zug ueber die sibirische
Heerstrasse bezeichnen.
Am 12. August um zwei Uhr Nachmittags, bei grosser Hitze und wolkenlosem
Himmel, gab der Toptschi-Baschi Befehl zum Aufbruch.
Nachdem sie sich Pferde gekauft hatten, waren Alcide Jolivet und Harry
Blount schon auf dem Wege nach Tomsk, wo die Logik der Thatsachen die
wichtigsten Personen dieser Geschichte vorau
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