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taeglichen Lebens, diese Verachtung aller koerperlichen Beschwerden, konnte Marfa nur aus einem geheimen Schmerze gewinnen, der dem ihrigen an Groesse gleichkam. Das waren die Gedanken Nadia's, und wir wissen, dass sie sich damit nicht taeuschte. Eine instinctive Sympathie fuer jene Schmerzen, welche Marfa Strogoff nicht zeigte, zog Nadia zuerst zu ihr hin. Diese Art und Weise, ihr Leid und Weh zu tragen, harmonirte mit der stolzen Seele des jungen Maedchens. Sie bot Jener ihre Dienste nicht erst an, sie leistete sie ihr. Marfa kam nicht dazu, diese annehmen oder abschlagen zu koennen. An beschwerlicheren Stellen des Weges war das junge Maedchen da und unterstuetzte sie mit ihren Armen. Wenn Nahrungsmittel ausgetheilt wurden, haette die alte Frau wohl nie etwas geholt, aber Nadia theilte mit ihr die eigenen kaerglichen Mahlzeiten, so dass sie Beide den qualvollen Zug durch das Land auf gleiche Weise zuruecklegten. Dank ihrer jungen Begleiterin vermochte Marfa Strogoff den Soldaten, welche den Gefangenentransport leiteten, zu folgen, ohne an einen Sattelknopf gefesselt zu werden, wie manche andere Unglueckliche, welche so auf ihrem Schmerzenswege dahin geschleppt wurden. "Gott lohne es Dir, meine Tochter, was Du fuer meine alten Tage gethan hast!" sagte einmal Marfa Strogoff, das einzige Wort, das waehrend einer langen Zeit zwischen den beiden armen Wesen gewechselt worden war. Man haette meinen sollen, dass die aeltere Frau und das junge Maedchen im Verlaufe mehrerer Tage, die ihnen wie Jahrhunderte erschienen, sich einmal ueber ihre Verhaeltnisse ausgesprochen haetten. Marfa Strogoff hatte aber aus leicht begreiflichen Gruenden, und auch das nur moeglichst kurz, von sich allein gesprochen. Sie hatte nie ihres Sohnes oder des traurigen Augenblicks erwaehnt, der sie mit ihm zusammenfuehrte. Ebenso verhielt sich Nadia lange Zeit fast stumm, vermied wenigstens jedes unnuetze Wort. Erst als sie eines Tages immer deutlicher fuehlte, dass sie eine hohe, edle Seele in ihrer Begleiterin vor sich hatte, ging ihr das Herz ueber und sie erzaehlte, ohne etwas zu verheimlichen, Alles, was ihr seit der Abreise von Wladimir bis zum Tode Nicolaus Korpanoff's begegnet war. Was sie von ihrer jungen Begleiterin hoerte, erregte die lebhafteste Theilnahme der alten Sibirerin. "Nicolaus Korpanoff, sagte sie, erzaehle mir noch mehr von diesem Nicolaus! Ich kenne nur einen Mann, nur einen einzigen unter der jetzigen Jugend, von dem mich
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