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esehen und selbst
gesprochen hatte!...
Sie hielt aber an sich; sie schwieg und begnuegte sich zu sagen:
"Gieb die Hoffnung nicht auf, mein Kind! Das Unglueck kann Dich nicht fuer
immer verfolgen. Du wirst Deinen Vater wiedersehen, ich fuehle es, und
vielleicht ist auch der, der Dich Schwester nannte, noch nicht todt! Gott
kann es nicht gestatten, dass Dein edler Gefaehrte umgekommen sei!... Hoffe
noch immer, meine Tochter! Mach' es wie ich! Die Trauerkleidung, welche
ich trage, gilt meinem Sohne noch nicht!"
Drittes Capitel.
Schlag fuer Schlag.
In dieser Weise gestaltete sich also das Verhaeltniss Marfa Strogoff's und
Nadia's zu einander. Die alte Sibirerin hatte Alles durchschaut, und wenn
dem jungen Maedchen auch nicht bekannt war, dass ihr so aufrichtig
betrauerter Begleiter noch lebte, so wusste sie doch, was seiner kindlich
verehrten Mutter geschah, und sie dankte Gott dafuer, dass er ihr die Freude
gewaehrte, der Gefangenen den verlorenen Sohn einigermassen zu ersetzen.
Weder die Eine noch die Andere konnten aber wissen, dass der bei Kolyvan
gefangene Michael Strogoff sich in demselben Zuge befinde und gleichzeitig
mit ihnen nach Tomsk transportirt werde.
Die von Iwan Ogareff weiter zugefuehrten Gefangenen wurden mit denen,
welche der Emir schon in dem tartarischen Lager bewachen liess, vereinigt.
Nach Tausenden zaehlten diese Ungluecklichen, Russen oder Sibirier, Militaers
oder Civilpersonen, und bildeten einen Zug von mehreren Werst Laenge.
Diejenigen derselben, welche man fuer die gefaehrlichsten hielt, waren
mittels Handschellen an eine lange Kette geschlossen. Frauen und Kinder
band oder haengte man an die Sattelknoepfe, um sie ohne Erbarmen auf der
Strasse hinzuschleppen. Man trieb sie wie eine Heerde Vieh vor sich her.
Die begleitenden Reiter sahen auf die Einhaltung einer gewissen Ordnung,
so dass es hier keine Nachzuegler gab, ausser denjenigen, welche zusammen
brachen, um nicht wieder aufzustehen.
In Folge dieser Ordnung kam es, dass Michael Strogoff, der sich in den
ersten Reihen befand, die das Feldlager verliessen, d. h. unter den
Gefangenen von Kolyvan, nicht unter die zuletzt aus Omsk angelangten
Gefangenen gemischt wurde. Er konnte also die Anwesenheit seiner Mutter
und Nadia's in demselben Gefangenenzuge ebenso wenig ahnen, wie diese die
seinige.
Dieser Zug vom Lager bis nach Tomsk, unter der Knute der Soldaten un
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