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e Rinder und Rosse der Sturmboecke zielen."
Bald war der Kampf auf allen Seiten entbrannt: und mit Verdruss bemerkte
Cethegus, dass die Goten ueberall Fortschritte machten. Die Byzantiner
schienen ihren Feldherrn zu vermissen: sie schossen unsicher und wichen
von den Waellen, indes die Goten heute mit besonderer Todesverachtung
vordrangen. Schon hatten sie an mehreren Stellen den Graben ueberschritten
und Herzog Guntharis hatte sogar schon Leitern angelegt an den Waellen bei
dem portuensischen Thore, waehrend der alte Waffenmeister einen starken
Widderkopf herangeschleppt und denselben durch ein Schirmdach gegen die
Feuergeschosse von oben gesichert hatte. Bereits donnerten die ersten
Stoesse laut durch das Getuemmel des Kampfes gegen die Balken des
pankratischen Thors. Dieser wohlbekannte Ton erschuetterte den Praefekten,
der eben hier anlangte: "Offenbar," sagte er zu sich selbst, "machen sie
jetzt bittern Ernst, nachdem der Scheinversuch so gut gelungen."
Und wieder ein droehnender Stoss. Gregor, der Byzantiner, sah ihn fragend
an. "Das darf nicht lange waehren!" rief Cethegus zuernend, entriss dem
naechsten Schuetzen Bogen und Koecher und eilte auf den Mauerkranz an dem
Thore: "Hierher, ihr Schuetzen und Schleuderer! Mir nach!" rief er,
"schafft schwere Steine bei. Wo ist der naechste Ballist? Wo die
Skorpionen? das Schirmdach muss entzwei."
Unter dem Schirmdach aber standen gotische Schuetzen, die eifrig durch die
Schiessscharten nach den Zacken der Mauerzinnen lugten. "Es ist umsonst,
Haduswinth," schalt der junge Gunthamund, "zum drittenmal leg' ich
vergeblich an! es wagt ja keiner nur die Nase ueber die Brustwehr." -
"Geduld," sagte der Alte, "halte den Bogen nur gespannt! Es kommt schon
einer, den der Fuerwitz plagt. Auch mir leg' einen Bogen bereit. Nur
Geduld." - "Die hat man leichter mit deinen siebzig als mit meinen zwanzig
Jahren."
Inzwischen hatte Cethegus die Wallzinne hier erreicht: er warf einen Blick
in die Ebene: da sah er den Koenig, in der weiten Ferne, unbeweglich, im
Centrum stehen der gotischen Scharen, auf dem rechten Tiberufer. Das
stoerte und beunruhigte ihn. "Was hat er vor? Sollte er gelernt haben, dass
der Feldherr nicht fechten soll? Komm, Gajus," rief er dem jungen Schuetzen
zu, der ihm kuehn gefolgt war, "deine jungen Augen sehen scharf, blick' mit
mir ueber die Zinne hier - was treibt der Koenig dort?" Und er beugte sich
ueber die Brustwehr, Gajus folgte, eifrig spaehend, seinem
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