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elbau des weitlaeufigen
Palastes) unberuehrt gelassen und einige auch frueher schon von ihm, wenn er
die Wache am Hofe hatte, bewohnte Raeume im rechten Fluegel bezogen. Er
hatte die Gold- und Purpurabzeichen der Amaler nie angelegt und aus seinen
Zimmern allen koeniglichen Pomp entfernt. Ein Feldbett auf niedern
Eisenfuessen, auf welchem sein Helm, sein Schwert und mehrere Urkunden
lagen, ein langer Eichentisch und wenig Holzgeraet standen in dem einfachen
Gelass.
Er hatte sich nach des Gesandten Entfernung, erschoepft, mit dem Ruecken
gegen die Thuer in einen Stuhl geworfen und stuetzte das muede Haupt in
beiden Haenden auf den Tisch. So hatte er den leicht schwebenden Schritt
der Eintretenden nicht bemerkt.
Mataswintha blieb, wie gebannt, an der Schwelle stehen. Sie hatte ihn noch
niemals aufgesucht. Ihr Herz pochte maechtig. Sie konnte ihn nicht
ansprechen: sie konnte nicht naeher treten.
Endlich stand Witichis mit Seufzen auf. Da sah er die regungslose Gestalt
an der Thuere stehen. "Du hier Koenigin?" sprach er staunend und trat ihr
einen Schritt entgegen. "Was kann dich zu mir fuehren?"
"Die Pflicht - das Mitleid" - sagte Mataswintha rasch. "Sonst haette ich
nicht - - ich habe eine Bitte an dich."
"Es ist die erste," sagte Witichis. - "Sie betrifft nicht mich" - fiel sie
schnell ein - "Ich bitte dich um Brot fuer Arme, Kranke, welche" -
Da reichte ihr der Koenig schweigend die Rechte hin. -
Es war das erstemal: sie wagte nicht, sie zu fassen: und haette es doch, o
wie gerne, gethan. So fasste er selbst ihre Hand und drueckte sie leicht.
"Ich danke dir, Mataswintha, und bitte dir ein Unrecht ab. Du hast dennoch
ein Herz fuer dein Volk und seine Leiden. Ich haette das nie geglaubt: ich
habe hart von dir gedacht."
"Haettest du von jeher anders von mir gedacht: - es waere vielleicht manches
besser."
"Schwerlich! Das Unglueck heftet sich an meine Fersen. Eben jetzt - du hast
ein Recht, es zu wissen - brach meine letzte Hoffnung: Die Franken, auf
deren Hilfe ich hoffte, haben uns verraten. Entsatz ist unmoeglich: die
Uebermacht der Feinde durch den Abfall der Italier allzugross. Es bleibt nur
noch ein letztes: ein freier Tod."
"Lass mich ihn mit dir teilen," rief Mataswintha, und ihre Augen
leuchteten. - "Du? nein; die Tochter Theoderichs wird ehrenvolle Aufnahme
finden am Hofe von Byzanz. Man weiss, dass du gegen deinen Willen meine
Koenigin geworden .. - Du kannst dich laut darauf berufen."
"
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