|
ebereinkunft wusste das treue Thier, dass es nach je
fuenfzehn Werst ausruhen durfte, und wenn man, sei es auch mit einem
Thiere, einen Vertrag abschliesst, so muss er von beiden Theilen auch streng
beobachtet werden.
Nach Ueberschreitung des kleinen Biriusaflusses erreichte die Kibitka
Biriusinsk am Morgen des 4. Septembers.
Dort entdeckte Nicolaus, als er sich nach Vervollstaendigung seines
Mundvorraths umsah, gluecklicher Weise ein Dutzend "Pogatchas", das ist
eine Art Kuchen aus Hammelfett mit einer grossen Menge in Wasser gekochtem
Reis. Dieser Zuwachs passte recht gut zu dem Vorrath an Kumiss, mit dem die
Kibitka in Krasnojarsk hinreichend versehen worden war.
Hier wurde laengere Zeit Station gemacht und die Reise erst am Nachmittag
des 5. September fortgesetzt. Die Entfernung bis Irkutsk betrug nun
fuenfhundert Werst. Von dem Vortrab des Tartarenheeres zeigte sich keine
Spur. Michael Strogoff glaubte also gegruendete Aussicht zu haben, seine
Reise binnen acht, hoechstens zehn Tagen zu vollenden und vor dem
Grossfuersten zu erscheinen.
Bei der Abfahrt aus Biriusinsk lief ein Hase, etwa dreissig Schritt vor der
Kibitka, ueber den Weg.
"O weh! rief Nicolaus.
-- Was ist Dir, Freund? fragte Michael Strogoff, wie es Blinde thun, welche
das geringste Geraeusch erregt.
-- Siehst Du nicht" ... antwortete Nicolaus, dessen heiteres Gesicht sich
ploetzlich verduestert hatte.
Doch er unterbrach sich.
"Ach nein, fuhr er fort, Du kannst ja nicht sehen; das ist gut fuer Dich,
Vaeterchen.
-- Ich sehe aber auch nichts, sagte Nadia.
-- Desto besser, desto besser! Aber ich ... ich sah ...
-- Nun was denn? fragte Michael Strogoff dringender.
-- Einen Hasen, der unsern Weg kreuzte!" antwortete Nicolaus.
Wenn ein Hase Jemand ueber den Weg laeuft, so haelt das der Volksglaube in
Russland allgemein fuer das Vorzeichen eines drohenden Ungluecks.
Aberglaeubisch wie alle Russen hatte Nicolaus die Kibitka angehalten.
Michael Strogoff verstand recht gut das Zoegern seines Gefaehrten, obgleich
er den Glauben an eine gewisse Vorbedeutung bezueglich des vorueberlaufenden
Hasen keineswegs theilte. Er suchte also Jenen zu beruhigen.
"O, deshalb ist nichts zu fuerchten, Freund, sagte er.
-- Fuer Dich nichts, fuer sie auch nicht, Vaeterchen, das weiss ich, erwiderte
Nicolaus, wohl aber fuer mich!"
Dann fuhr er fort:
"Dem Schicksal kann man ja doch nicht entgehen!"
Er trieb das Pferd wieder an.
Trotz
|