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rhaben der
Fluechtlinge. Patrouillirten auch die Wachposten der Tartaren laengs der
Ufer, so liess sich doch annehmen, dass das Floss ungesehen von ihnen
voruebergleiten werde. Ebenso wenig stand zu befuerchten, dass die Belagerer
stromaufwaerts von Irkutsk den Fluss gesperrt haben sollten, da sie recht
gut wussten, dass die Russen aus dem Sueden der Provinz keine Hilfe zu
erwarten hatten. In kurzer Zeit musste freilich die Natur schon allein
diese Flusssperre herstellen, wenn die Kaelte die einzelnen Schollen fest
aneinander loethete.
Am Bord des Flosses herrschte jetzt das tiefste Schweigen. Als man weiter
in den Fluss eindrang, liessen sich auch die Stimmen der Pilger nicht mehr
vernehmen. Sie beteten zwar noch immer, aber nur mit solch leisem
Gemurmel, dass dasselbe am Ufer unmoeglich gehoert werden konnte. Auf der
Plattform ausgestreckt unterbrachen auch die Koerper der Fluechtlinge kaum
die ebene Flaeche des Wassers. Der alte Seemann, der sich jetzt am
Vordertheile neben seinen Leuten aufhielt, begnuegte sich, nur die
Eisschollen zu vermeiden, was ohne Geraeusch zu erreichen war.
Der Eisgang auf dem Flusse durfte sogar als sein weiterer guenstiger
Umstand betrachtet werden, so lange er dem Flosse nicht zum
unuebersteigbaren Hinderniss wurde. Waere es ueberhaupt moeglich gewesen, den
Apparat auf dem freien Wasser des Flusses wahrzunehmen, so verdeckten ihn
jetzt zum Theil die Schollen jeder Groesse und Form und das
Aneinanderprallen und Krachen derselben uebertoente gleichzeitig jedes sonst
vielleicht hoerbare verdaechtige Geraeusch.
Nun wurde die Luft aber wirklich empfindlich kalt. Die Fluechtlinge, deren
Schutz nur in wenigen Birkenzweigen bestand, litten sehr hart. Sie
draengten sich dicht aneinander, um die Erniedrigung der aeusseren
Temperatur, welche waehrend der Nacht bis auf 10 deg. unter Null herabging,
besser zu ertragen. Der schwache Wind, der ueber die schneebedeckten Berge
im Osten herwehte, stach sie wie mit tausend Nadeln.
Michael Strogoff und Nadia ertrugen, auf dem Hintertheil des Flosses
gelagert, diesen Zuwachs ihrer Leiden ohne jede Klage. Neben ihnen suchten
Alcide Jolivet und Harry Blount dem ersten Angriff des sibirischen Winters
nach Kraeften Widerstand zu leisten. Weder die Einen noch die Andern
sprachen ein Wort, nicht einmal heimlich. Die gegenwaertige Situation
beschaeftigte vollstaendig ihren Geist. Jeden Augenblick konnte ein
Zwischenfall, eine Gefahr eintreten, vielleicht eine
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