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hon wieder zu finden
wissen! Reise in Gottes Namen weiter! Ich fuerchte mich nicht. Vor den
Tartaren werde ich mich zu verbergen wissen. Ich erhalte mich fuer ihn, fuer
Dich! Geh' Du, Michael, - ich kann es nicht mehr!..."
Wiederholt war Nadia gezwungen, stehen zu bleiben. Dann hob sie Michael
Strogoff auf seine Arme, und da er, wenn er sie trug, an die Ermuedung des
jungen Maedchens nicht mehr zu denken brauchte, ging er dann um so
schneller.
Endlich am 18. September, Abends gegen zehn Uhr, erreichten Beide
Kimilteiskoe. Von dem Gipfel eines Huegels bemerkte Nadia eine minder
dunkle Linie am Horizonte. Das war die Dinka. In ihrem Wasser spiegelten
sich einige Blitze, denen kein Donner folgte, die aber doch den Umkreis
erhellten.
Nadia fuehrte ihren Begleiter quer durch die verwuestete Ortschaft. Die
Asche der Ruinen war kalt. Die letzten Tartaren mochten wohl vor fuenf bis
sechs Tagen hier durchpassirt sein.
Bei den letzten Haeusern sank Nadia auf eine steinerne Bank.
"Machen wir Halt? fragte sie Michael Strogoff.
-- Die Nacht ist gekommen, Michael, antwortete Nadia. Willst Du nicht auch
einige Stunden ruhen?
-- Ich waere gern noch bis ueber die Dinka gekommen, antwortete Jener, ich
haette den Fluss gern zwischen uns und dem Vortrab des Emirs gewusst. Aber Du
kannst Dich nicht mehr fortschleppen, meine arme Nadia?
-- Komm, Michael!" lautete Nadia's Antwort, mit der sie die Hand ihres
Gefaehrten ergriff und ihn weiter fuehrte.
In der Entfernung von zwei bis drei Werst kreuzte die Dinka die Strasse
nach Irkutsk. Die letzte Anstrengung, welche ihr Begleiter forderte,
wollte das junge Maedchen noch auszuhalten versuchen. Beide gingen beim
Scheine des Wetterleuchtens weiter. Sie durchschritten nun eine
grenzenlose Wueste, in der sich der kleine Fluss verlor. Kein Baum, kein
Huegel erhob sich auf dieser ungeheuren Ebene, mit welcher die sibirische
Steppe wieder begann. Kein Lufthauch bewegte die Atmosphaere, durch deren
ruhige Schichten sich der geringste Ton unendlich weit fortgepflanzt
haette.
Ploetzlich hielten Michael Strogoff und Nadia inne, als ob ihre Fuesse in
eine Aushoehlung des Bodens gekommen waeren.
Aus der Steppe her ertoente Gebell.
"Hoerst Du das?" fragte Nadia.
Dann folgte ein erbarmenswerther Schrei, wie ein verzweifelter, letzter
Ruf eines Menschen, der dem Tode nahe ist.
"Nicolaus! Nicolaus!" rief das junge Maedchen, von einer duesteren Ahnung
erfuellt.
Michael Strogoff
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