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hervor, die das Floss aufzuhalten drohten.
Michael Strogoff war es also vom hoechsten Interesse, den Zustand des Sees
zu kennen, fuer den Fall, dass Eisschollen in groesserer Anzahl auftreten
sollten. Er fragte Nadia nach deren Erwachen wiederholt, und liess sich von
ihr Alles mittheilen, was auf der Wasserflaeche vorging.
Waehrend dieses Dahintreibens der Eisschollen beobachtete man auf dem
Baikalsee noch mancherlei eigenthuemliche Erscheinungen, unter andern das
Aufbrodeln siedender Quellen, welche aus mehreren im Bette des Sees
gelegenen artesischen Brunnen aufsprangen. Diese Wassersaeulen erhoben sich
zu betraechtlicher Hoehe und zertheilten sich in Dampfwolken, welche einen
Augenblick lang in den Strahlen der Sonne irisirten und dann sofort von
der Kaelte verdichtet wurden. Gewiss haette dieses Schauspiel das Auge jedes
Touristen ergoetzt, der in friedlichen Zeiten das sibirische Binnenmeer zum
Vergnuegen bereiste.
Gegen vier Uhr Nachmittags signalisirte der alte Seemann den Abfluss der
Angara zwischen den hohen Granitfelsen des Ufers. An der Kueste zur Rechten
erkannte man den kleinen Hafen Livenitchnaia, dessen Kirche und die
wenigen am steilen Strande erbauten Haeuser.
Leider waelzten sich schon die ersten von Osten gekommenen Eisschollen
zwischen die Ufer der Angara und schwammen also nach Irkutsk hinab. Doch
erschien ihre Anzahl noch nicht hinreichend, um den Fluss zu verstopfen,
sowie die Kaelte nicht intensiv genug, um sie wesentlich zu vermehren.
Das Floss erreichte den kleinen Hafen und hielt dort an. Der alte Seemann
wollte hier eine Stunde verweilen, um einige unabweisliche Reparaturen
vorzunehmen. Die Staemme drohten aus einander zu weichen und mussten
nothwendig fester verbunden werden, um der sehr schnellen Stroemung der
Angara sicherer zu widerstehen.
Waehrend der schoenen Jahreszeit dient der Hafen von Livenitchnaia als Ein-
und Ausschiffungspunkt der Reisenden auf dem Baikalsee, die sich von hier
entweder nach Kiachta begeben, nach der letzten Stadt an der
russisch-chinesischen Grenze, oder von dort aus kommen. Er ist dann sowohl
durch Dampfboote, als auch durch Kuestenfahrer aller Art sehr belebt.
Heut war auch Livenitchnaia verlassen. Seine Bewohner entflohen vor den
Verwuestungen der Tartaren, welche beide Ufer der Angara unsicher machten.
Die Flotille von Schiffen und Booten, welche sonst in ihrem Hafen
ueberwinterte, hatten sie nach Irkutsk verlegt und sich noch rechtzeitig,
reich
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