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in zu sein, und schickte
sich an, das fuer sie bestimmte Zimmer aufzusuchen.
Unmoeglich war es ihr aber, sich zurueck zu ziehen, ohne sich von Jenem
wenigstens zu verabschieden.
"Lieber Bruder ...", fluesterte sie noch einmal.
Aber Michael Strogoff unterbrach sie durch eine abwehrende Bewegung. Ein
Seufzer entrang sich der Brust des jungen Maedchens, und schweigend verliess
sie das Zimmer.
Michael Strogoff legte sich nicht nieder. Er haette unmoeglich Schlaf finden
koennen. Die Stelle seiner Schulter, welche die Peitsche des brutalen
Reisenden getroffen hatte, brannte ihm wie Feuer.
"Fuer das Vaterland und fuer dessen Vater!" murmelte er endlich am Schlusse
eines stillen Abendgebetes.
Jedenfalls empfand er aber eine unbesiegbare Begierde, zu wissen, wer der
Mann sein moege, der ihn zu schlagen gewagt hatte, woher er kaeme, wohin er
ginge. Die Gesichtszuege desselben hatten sich seinem Gedaechtniss so tief
eingepraegt, dass er nie zu befuerchten brauchte, dieselben zu vergessen.
Michael Strogoff liess den Postmeister rufen.
Dieser, ein Sibirier von altem Schlage, kam sofort, sah den jungen Mann
etwas ueber die Achsel an und erwartete dessen Begehren.
"Du bist selbst aus diesem Lande?
-- Ja.
-- Kennst Du den Mann, der meine Pferde nahm?
-- Nein.
-- Du hast ihn nie vorher gesehen?
-- Niemals.
-- Wer glaubst Du mochte jener Fremde sein?
-- Ein grosser Herr, der seinen Willen durchzusetzen weiss!"
Wie ein Dolchstoss traf Michael Strogoff's Blick den Sibirier bis in's
Herz, aber der Postmeister ruehrte die Augenlider nicht.
"Du unterstehst Dich, ueber mich abzuurtheilen? rief Michael Strogoff.
-- Ja, antwortete der Sibirier, denn es handelte sich hier um Dinge, die
auch ein einfacher Kaufmann nicht ohne Abwehr hinnimmt.
-- Den Schlag mit der Peitsche meinst Du?
-- Den Peitschenschlag, junger Mann! Ich bin in den Jahren und in der Lage,
Dir das sagen zu koennen."
Michael Strogoff naeherte sich dem Postmeister und legte ihm seine beiden
wuchtigen Haende auf die Schultern.
Dann sagte er mit besonders gemaessigter Stimme:
"Geh' Deines Weges, guter Freund! - Geh', ich koennte Dich umbringen!"
Diesmal hatte der Postmeister ihn nicht missverstanden. "So sehe ich Dich
lieber", sagte er noch halblaut.
Ohne ein weiteres Wort verliess er den Wartesaal.
Andern Tags, am 24. Juli, stand der Tarantass Morgens acht Uhr mit drei
muthigen Rossen bespannt bereit. Michael Strogoff und
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