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en sich fortsetzten. Ein geraeumiger Schreibtisch stand in der Naehe des Fensters, vor welches der Romancier einen gelben Vorhang gezogen hatte, wahrscheinlich, um sich innerlicher zu machen. In gelblicher Daemmerung sass er ueber die Platte des Sekretaers gebeugt und schrieb, -- schrieb an einem jener zahlreichen Briefe, die er all-woechentlich zur Post befoerdern liess, und auf die er belustigenderweise meistens gar keine Antwort erhielt. Ein grosser, starker Bogen lag vor ihm, in dessen linkem oberen Winkel unter einer verzwickt gezeichneten Landschaft der Name Detlev Spinell in voellig neuartigen Lettern zu lesen war, und den er mit einer kleinen, sorgfaeltig gemalten und ueberaus reinlichen Handschrift bedeckte. "Mein Herr!" stand dort. "Ich richte die folgenden Zeilen an Sie, weil ich nicht anders kann, weil das, was ich Ihnen zu sagen habe, mich erfuellt, mich quaelt und zittern macht, weil mir die Worte mit einer solchen Heftigkeit zustroemen, dass ich an ihnen ersticken wuerde, duerfte ich mich ihrer nicht in diesem Briefe entlasten ..." Der Wahrheit die Ehre zu geben, so war dies mit dem "Zustroemen" ganz einfach nicht der Fall, und Gott wusste, aus was fuer eitlen Gruenden Herr Spinell es behauptete. Die Worte schienen ihm durchaus nicht zuzustroemen, fuer einen, dessen buergerlicher Beruf das Schreiben ist, kam er jaemmerlich langsam von der Stelle, und wer ihn sah, musste zu der Anschauung gelangen, dass ein Schriftsteller ein Mann ist, dem das Schreiben schwerer faellt als allen anderen Leuten. Mit zwei Fingerspitzen hielt er eins der sonderbaren Flaumhaerchen an seiner Wange erfasst und drehte Viertelstunden lang daran, indem er ins Leere starrte und nicht um eine Zeile vorwaertsrueckte, schrieb dann ein paar zierliche Woerter und stockte aufs neue. Andererseits muss man zugeben, dass das, was schliesslich zustande kam, den Eindruck der Glaette und Lebhaftigkeit erweckte, wenn es auch inhaltlich einen wunderlichen, fragwuerdigen und oft sogar unverstaendlichen Charakter trug. "Es ist", so setzte der Brief sich fort, "das unabweisliche Beduerfnis, das, was ich sehe, was seit Wochen als eine unausloeschliche Vision vor meinen Augen steht, auch Sie sehen zu machen, es Sie mit meinen Augen, in derjenigen sprachlichen Beleuchtung schauen zu lassen, in der es vor meinem inneren Blicke steht. Ich bin gewohnt, diesem Drange zu weichen, der mich zwingt, in unvergesslich und flammend richtig an ihrem Platz
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